Pitschnass durchs Surses

Args… Das mit dem Wetter hätte ich nicht schreiben dürfen…

Als ich am Donnerstagmorgen das Hotel verlasse, steht Philippe vom Geissenhof Poltera schon da… der Regen begrüßt mich aber auch. Allerdings nicht sehr doll und so geht’s los zur Hofbesichtigung. Als erstes stehen die kleinen Ziegen auf dem Programm. Die sind gar nicht so klein wie gedacht und brauchen ein bisschen bis sie von ihrer kleinen Anhöhe nach unten gespurtet kommen. Was sie dann aber auch geschlossen tun. Schwups ist Philippe von einer Traube kleiner, frecher Gesellen umschlossen und ich schließlich auch.
Dann geht’s rauf zur Alp Surnegn der Familie, wo der Rest der Ziegen den Sommer verbringt. Nach Gehör finden wir sie schlussendlich auch, kommen aber nicht so recht an sie ran, weil es regnet und die Damen nicht nass werden wollen, weshalb sie sich lieber unter den Büschen am Berg verstecken. So genieße ich die Landschaft, lasse mir von Philippe noch ein wenig den Ablauf des Sommers für die Ziegen erklären (in ein paar Wochen wird’s Herrenbesuch geben und nach Rassen getrennt, wird die warme Sommerluft für das ein oder andere Techtelmechtel sorgen…) und den Melkstand zeigen. Schon machen wir uns wieder auf den Weg zum Hof und damit ich auch noch ein paar große Ziegen ganz nah zu Gesicht bekomme, besuchen wir noch die Seniorenresidenz des Hofs, wo die alten Ladies (und ein paar ältere Herren), für die der Aufstieg auf die Alp zu anstrengend wäre, ihren Sommer genießen können.

Noch eine Runde über den Hof zeigt mir die große Halle, in der das im Sommer gehauene Gras gelagert wird. Da muss aber jede Menge geheut werden, damit die voll wird. Da es immer noch regnet, steht kein Heuen auf meinem Programm und ich kann keinen Beitrag leisten, um die Halle voller zu bekommen. So überlegen wir bei einer gemütlichen Mittagspause im Hause Poltera, wie ich den Nachmittag gestalten könnte. Mama Poltera bietet mir an, mich auf die Alp Flix zu fahren, womit ich meinen vorgeschlagenen Programmpunkt vom ersten Tag noch nachholen kann. Bis es soweit ist, wird aber die Mittagsruhe genossen und ich erfahre ganz nebenbei noch die Entstehungsgeschichte des Geissenhofs und wie aus nur vier Ziegen eine recht erfolgreiche Zucht geworden ist, die in den nächsten Jahren noch weiter ausgebaut werden soll. Ich bin beeindruckt und fasziniert und nachdem ich dann den Mund irgendwann auch wieder schließen kann, fahren wir los zur Alp Flix. Vorher muss ich natürlich noch ein Glas Ziegenmilch probieren… Kalt, gar nicht mal unlecker!

Auf der Alp Flix ausgesetzt, überlegt sich tatsächlich die Sonne noch einmal raus zu kommen und so mache ich mich nach ausführlichem Schauen und Staunen (Also, jeder, der mal hier in die Gegend kommt, muss da unbedingt hoch! Landschaftlich unglaublich schön! Aber was sollte man auch anderes erwarten vom höchsten Hochmoor Europas 🙂 ) zu Fuß auf den Weg nach Savognin. Der Weg führt mich noch mal an der Alp Surnegn vorbei und ich hoffe darauf, vielleicht noch einen Blick auf die Ziegen im Melkstand erhaschen zu können. Aber ich war wohl zu schnell und die Ziegen doch noch nicht im Melkstand angekommen. Von den Anhöhen her höre ich die Rufe der Hirten. Ich marschiere weiter. Während ich noch grübele, doch wieder zurück zu gehen, um auf die Ziegen zu warten, huscht plötzlich ganz flink ein Murmeltier hundert Meter vor mir über den Weg. Noch ärgere ich mich, dass ich es nicht richtig gesehen habe, dann entdecke ich es am Wegesrand und sehe, wie noch ein zweites dazukommt. Also versuche ich mich leise zu nähern, um sie auch richtig vor die Linse zu bekommen. Und tatsächlich schaffe ich es… Zum Abschied grinst eines mich noch mal frech aus dem Eingang seines Baues an und schon ist es wieder verschwunden.

Der Regen kommt wieder auf und ich beschließe, mal ganz fix wieder nach Savognin zu gelangen. Pünktlich vor meiner Nase fährt mir in Varvadal der Bus weg und ein letztes Stück Weg durch den Regen steht mir bevor. Mehr geraten denn gewusst, erreiche ich pitschnass und abenteuerlich über die Wiesen Savognin. Was freue ich mich nun auf mein Bett. Vorher aber noch schnell unter die heiße Dusche gesprungen und das Abendessen im Hotel Piz Mitgel genossen… und das ist heute besonders lecker. Jeden Donnerstag wird dort ein superleckeres Dessertbuffet aufgefahren. Ich weiß gar nicht, was ich zuerst schlemmen soll. Pappsatt versinke ich in den Kissen und bin dann doch ein wenig froh, dass die Wildbeobachtungstour auf Grund des Wetters nicht schon 6 Uhr, sondern erst gegen 8 Uhr starten soll…

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4 Antworten zu “Pitschnass durchs Surses

  1. Katja 08/07/2011 um 11:35

    *quietsch* Murmeltiere *quietsch* Ganz live und nah *quietsch* Sind die süüüüß *hyperventilier*

    Äh ja. *Frisur ordne und ernstes Gesicht aufsetz* Wunderbare Aufnahmen sind das. Und die Ziegen sehen ja mal total liebenswert und freundlich aus. Und dir sieht man das frühe Aufstehen und die viele Action gar nicht an. 🙂

    Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Alm und einer Alp? Oder ist das nur ein anderer Name?

  2. Corina 10/07/2011 um 23:31

    *quietsch* am nächsten Tag hab ich noch viel viel mehr gesehen… allerdings nicht mehr so nah. Aber dafür mit ganz kleinen Murmeltierchen. Hach, sind die knuffig.

    Die Alm/Alp-Frage hatte ich auch… und dann natürlich auch gestellt. Es ist das gleiche. 🙂

    Die Ziegen waren knuffig, wenn auch am Anfang etwas beängstigend… wenn da so eine Horde Ziegen plötzlich auf dich zugerannt kommt, dann is schon erstmal Hülfe-Denken angesagt 🙂
    Die zwei da oben mit Bart waren übrigens die älteren Herren und die fand ich ja einfach nur zum Grinsen.

  3. Katja 11/07/2011 um 15:27

    Alleine beim Gedanken an Babymurmeltierchen muss ich ja schon wieder quietschen! 😀

    Witzig! Als ich die beiden Ziegen im Bild sah, hatte ich auch wirklich ältere Herren im Sinn. Sieht man das denen am Gesicht an? Und weisst du zufällig, ob die Damen auch Bärte tragen?

    (In meinem Garten tummeln sich übrigens gerade jede Menge Babylurchis – also Lütte von dieser Eidechsengroßfamilie, die da lebt – soooo süß! Nur leider unfotografierbar, weil die viel zu schnell für mich sind. :D)

  4. Corina 11/07/2011 um 21:17

    Irgendwo gibt’s auch noch’n Bild von so’nem Babymurmeltier (ob man das allerdings auch wirklich erkennt…), ich werd’s bei Gelegenheit mal rauskramen und schauen, was man da Bearbeitungstechnisch noch rausholen kann…

    Den linken find ich ja so knuffig… der war so *tralalalalalala*-mäßig drauf 🙂 Damenbart gab’s auch. Die ham sich aber plötzlich alle weggedreht… war denen vielleicht peinlich.

    (Schöne Grüße an die Lurchis)

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