Auge in Auge mit der Kuh

Kurz vor drei klingelt der Wecker. Nicht meiner… aber ich höre, wie Monika und Stephan sich auf den Weg machen, die Kühe einzutreiben. Ich döse noch ein wenig vor mich hin und kann mich dann tatsächlich dazu aufraffen, kurz nach vier den Stall zu betreten. Was die beiden 90 Tage im Jahr schaffen, werd ich ja wohl mal so halbwegs einen Tag hinbekommen können. 🙂

Schon werden die ersten der 109 Kühe eingelassen und das Melken kann beginnen. Immer 10 Kühe auf einmal werden in den Melkstand eingelassen und dann beginnt die 11malige Prozedur mit anmelken, Euter säubern und schließlich melken. Am Anfang noch etwas befremdlich und mit Berührungsängsten verbunden, hab ich zumindest den Dreh mit dem Säubern und der Melkmaschine bald raus. Beim Anmelken stell ich mich recht dämlich an und überlass das lieber schnell wieder den Profis. Immer wieder zwischendurch bekomme ich eine kleine Einweisung in Kuhtheorie. Ich lerne die verschiedenen Eigenarten (und Macken) der verschiedenen Arten kennen, wie die Kühe auf die Alp kommen, wie man zumindest theoretisch an Hand des Euters erkennen könnte, wenn die Kuh krank ist und noch viele Sachen mehr, auf die beim Umgang mit der Kuh geachtet werden sollte. Irgendwann schwirrt mir der Kopf – und ich glaube, es liegt nicht daran, dass ich so zeitig aufgestanden bin.

Eine kurze Pause gibt es gegen 6 Uhr… da wird die bereits gewonnene Milch ins Tal zur Käserei gelassen. Klar, dass ich den Hebel umlegen darf. Ich muss mich allerdings beeilen, denn der Tank ist randvoll und draußen stehen noch ein paar Kühe, die auch ihre Milch loswerden wollen. Also einmal Bergwasser abgestellt, das durch die Leitung läuft während keine Milch fließt, und dann den Hebel umgestellt. Eigentlich relativ unspektakulär… aber zu wissen, dass die erste Milch etwa eine Stunde später da angekommen sein wird, wo ich am Tag zuvor noch rumwerkeln durfte, lässt mich grinsen.

Die letzten Kühe werden noch gemolken, dann gibt es den ersten vorbereitenden Reinigungsgang, damit sich während des Frühstücks die Melkmaschine schon mal säubern kann. Uff, hab ich einen Kohldampf. Vorher wird aber noch schnell bei der Weide vorbeigeschaut. Einerseits kann die ja nun, nachdem alle Kühe nach dem Melken hochgetrottet sind, wieder geschlossen werden, andererseits wollen die Kühe auch noch ihr Frühstückswasser bekommen.

Nach dem Frühstück heißt es den Melkstall säubern – mit dem Hochdruckreiniger bewaffnet, mache ich mich an die Arbeit. So ein paar Kühe hinterlassen ordentlich Dreck während sie darauf warten gemolken zu werden. An den hat man sich aber irgendwann gewöhnt und fast meditativ bewege ich den Hochdruckreiniger über den Boden und die Wände. Nach knapp 1 ½ Stunden ist es vollbracht. Ich habe meinen Arbeitstag auf der Alp erfolgreich und mit viel Spaß hinter mich gebracht. Ob ich das selbst auch 90 Tage am Stück machen wollen würde… darüber bin ich mir noch nicht im Klaren. Denn am Abend wollen die Kühe ja auch noch mal gemolken werden, zwischendurch heißt es Zäune aufstellen oder kontrollieren und immer mal wieder nach den Kühen schauen, dass die keinen Blödsinn anstellen 🙂

Es ist 10 Uhr und ich mache mich bereit, meinen Abstieg ins Tal anzutreten. Das Wetter meint es echt gut mit mir (*auf-Holz-klopf*) und so stiefel ich bei schönstem Sonnenschein los. Andreas hatte mir am Vortag von oben gezeigt, wie ich die weiter unten angesiedelte Edelweißfarm finden könnte… Ich schaff’s aber leider nicht. Von oben sah alles ganz anders aus als dann unten direkt vor Ort. So schlage ich mich – manchmal über Stock und Stein – irgendwann einfach nach Savognin durch. Völlig k.o. schleppe ich mich drei Stunden später ins Hotel, schnappe mir meine Badesachen und bewege meinen müden Körper zum See. Auf den Sprung ins kalte Nass freue ich mich, seit ich in Tigignas pünktlich zur Mittagspause des Lifts ankam und dann beschloss, das letzte Stück des Weges doch noch zu laufen… 🙂
Herrlich, dieses kühle Wasser. Wieder ein wenig fitter, verbringe ich den Rest des Nachmittags damit aufs Wasser und die Gegend zu stieren und die Füße ins erfrischende Wasser zu halten. Denn wer weiß, was die am nächsten Tag alles noch zu bewältigen haben. Mal überhaupt nicht zeitig (erst um 9 Uhr) wird es auf den Geissenhof Rona zum Ziegenhirten und Heuen gehen.

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5 Antworten zu “Auge in Auge mit der Kuh

  1. Katja 07/07/2011 um 09:51

    Wie interessant sich das alles liest! 🙂
    (Und wie froh ich bin, dass ich’s von dir lesen und quasi second hand erleben kann und nicht selber um 4 aufstehen oder 1,5 Stunden Stall schrubben muss. Oh Gott, ich bräuchte hinterher 4 Wochen Urlaub! :D)

  2. Schwester 07/07/2011 um 12:06

    Respekt, Respekt… ich mag Kühe ja nur schön weit von mir entfernt oder hinterm Zaun.
    Aber es klingt alles fantastisch. Sieht so aus, als würdest du es genießen.
    Das freut mich sehr. Viel Spaß weiterhin!

  3. Corina 10/07/2011 um 23:24

    (War ja nur ein Tag 😀 Und wenn man zeitig genug ins Bett geht, dann is es auch gar nicht so schlimm mit dem zeitig aufstehen…)

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