Im Waringham-Fieber

Das Lächeln der FortunaEs ist die Zeit, in der ich mir all die Neuerscheinungen des Herbsts bzw. des kommenden Frühjahrs anschaue, um zu entscheiden, welche kommen ins Regal und welche nicht. Das Verhältnis zu dieser Zeit ist immer recht zwiegespalten. Auf der einen Seite bin ich natürlich extrem neugierig, was kommen wird. Auf der anderen Seite wird der Druck bezüglich meines ungelesenen Regals (von einem Stapel ist hier schon lange nicht mehr die Rede) so groß, dass ich kaum zum Lesen komme, weil ich mich nicht mehr entscheiden kann, welches Buch ich nun als nächstes in Angriff nehme. Ich hadere dann immer zwischen „Du solltest aber lieber das lesen.“ und „Ich will aber lieber das lesen.“ Das sind die Momente, in denen ich mir wünsche, einfach nur wieder mal lesen zu können. Die Hüter der RoseVöllig frei von Verkaufszwängen und ohne an kommende Beratungsgespräche zu denken, um „Wissenslücken“ zu schließen.

Es ist die Zeit, in der es Bücher ganz schwer haben mich zu packen und mich all diese Gedankenkarusselle vergessen zu lassen. Puh, was ich in dieser Zeit alles anfange, wieder beiseite lege, neu anfange, noch mal beiseite lege. Wenn sonst schon immer mindestens vier angelesene Bücher in meiner Wohnung verteilt liegen, sind es in dieser Zeit so um die zehn. Natürlich nicht ohne gehetzten Blick aufs große Regal mit den ungelesenen Büchern.

Das Spiel der KönigeSeit etwa 1 1/2 Wochen hab ich jetzt aber endlich wieder konstante Leselektüre bzw. eher Hörlektüre, die es sogar geschafft hat, die Leselektüre fast völlig zu verdrängen – Mir fiel der vierte Teil der Waringhamsaga von Rebecca Gablé, der Mitte September erscheinen wird, in die Hände. Hach. Voller Vorfreude schlug ich’s auf… und dann fiel mir ein, dass ich die ersten Teile alle als Hörbuch zu mir genommen hatte… Mist. Jetzt konnt ich’s nicht mehr lesen. Jetzt war der Wunsch geweckt auch den vierten Teil zu hören. Nur… der ist noch gar nicht fertig eingelesen.

Da es aber auch schon ein paar Jährchen her ist, dass ich die ersten drei Teile gehört hatte, beschloss ich kurzerhand einfach noch mal von vorn zu beginnen. Der dunkle ThronSo vergeht nun seit etwa 1 1/2 Wochen kaum Abend, an dem ich mich nicht von derzeit noch Martin May in die Welt der Rosenkriege entführen lasse und lausche, wie die fiktive Familie Waringham die Geschicke der mittelalterlichen, britischen Thronfolge beeinflusst.

Es ist faszinierend! Obwohl ich ganz genau weiß, was alles noch passieren wird, liege ich mit geschlossenen Augen gebannt lauschend da und kann einfach nicht abschalten. Jedes Mal, wenn eine Stelle zum Pausedrücken erreicht ist, bettelt das kleine Lesekind mit der Taschenlampe mit großen Rehaugen in mir „Bitte, bitte, noch bis zu nächsten Stelle.“ Klar, dass ich da nicht nein sagen kann. So lauschen wir gemeinsam. Hoffen und Bangen, dass alles gut wird.

Mittlerweile bin ich bei Teil zwei angelangt, was fürs Hörbuchlauschen ein Rekord ist. Normalerweise höre ich etwa ein Monat an einem solchen Schinken. Für den hier aber gehe ich sogar eher ins Bett, um länger lauschen zu können… Mit jeder Zeile, die mich dem Ende von Teil zwei näher bringt, freue ich mich mehr… denn Teil drei liest Rebecca Gablé zum Teil selbst. Das fand ich damals ja am Anfang noch recht abartig, weil ich ihre Stimme nicht mochte, aber am Ende der 18 CDs war ich restlos begeistert und traurig, dass sie nur Teil drei (Und tatsächlich nur den. Den vierten liest sie schon nicht mehr) mitgelesen hatte.

So… und jetzt muss ich los… Weiterhören 🙂

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7 Antworten zu “Im Waringham-Fieber

  1. Katja 21/06/2011 um 09:24

    Urks, das ist was, was mir bisher gar nicht so bewusst war. Für dich hängt ja Lesen immer irgendwie mit Arbeiten zusammen. Und dass das alles andere als entspannt und mit Genuss geht, wenn noch dazu Zeitdruck herrscht und auch noch der Druck, da Entscheidungen fällen zu müssen… Puh.
    Umso mehr freut’s mich, dass das gerade doch mal geht und dich gepackt hat. 🙂

    Hörbücher – ich kann’s einfach nicht. Zumindest bisher hab ich’s nicht hinbekommen. Nebenbei was anderes machen geht nicht und wenn ich mich einfach nur still hinsetze/-lege zum Hören – da kann ich auch selber das Buch in die Hand nehmen.

    Und jetzt knurre ich ein bisschen vor mich hin und geh mal gucken, was du da überhaupt gerade hörst. (Als ob meine Liste nicht eh in den letzten Tagen schon explodiert wäre. *grinsend schimpf*)

  2. Corina 21/06/2011 um 13:24

    Na, das meiste davon ist selbst produzierter Druck und die meiste Zeit des Jahres kann ich mich davon eigentlich ganz gut fernhalten, weil ich mittlerweile ja gelernt habe, Bücher auch ohne sie komplett gelesen zu haben (hm, eigentlich auch ohne sie jemals geöffnet zu haben) ganz gut einzuschätzen. Es ist nur immer der eigene Anspruch, sie doch gelesen zu haben, der mir ab und an (und vor allem jetzt um die Zeit) einen ganz große Stein in den Weg legt.

    Mit Hörbüchern stand ich auch lange Zeit auf Kriegsfuß. Ich kann da auch nix nebenbei machen. Dieses vielgerühmte Double-your-time-Argument ist mir völlig schleierhaft. Nebenbei Bügeln? Danach könnt ich wohl die Hälfte meines Kleiderschranks neu auffüllen. Nebenbei Autofahren? Eieieiei. Das könnte nicht nur für mich gefährlich werden.
    Schätzen gelernt hab ich die Teile, als ich während meiner Ausbildung für ein paar Wochen mit einer zeitig schlafen müssenden Freundin das Zimmer im Internat teilen durfte. Da war dann die perfekte Lösung für das Zeit-Dilemma zum Hörbuch zu greifen. Und seit dem ist da immer mal wieder eins dabei in meiner Lektüreliste. Meistens höre ich Bücher, an die ich mich lesend nicht ranwage. Und es ist’ne prima Einschlafhilfe. So lange ich lausche, kreiseln die Gedanken nicht und ich mach meist erst aus, wenn ich tatsächlich auch müde bin bzw. schlummere während des Lauschens weg.

    Dir wird natürlich gefallen, was ich da höre… Jetzt, wo du das historische Buch für dich entdeckst… :mrgreen:

  3. Katja 21/06/2011 um 13:27

    Ey aber dreieinhalbtausend Seiten – my ass! :mrgreen:

  4. Corina 21/06/2011 um 16:31

    Gelauscht sind das nur 47 Stunden. Geht doch. 😉

  5. Katja 22/06/2011 um 14:54

    Ich lese meist deutlich langsamer (so 60 Seiten/Std etwa) und muss mich gelegentlich echt ermahnen, dass ich das nicht schlimm finde. Ich denke immer, wenn ich fixer wäre, könnte ich viel mehr Bücher schaffen, aber letztendlich ist das ja keine Sache von Geschwindigkeit sondern von Genuss und wenn ich schneller mache, bekomme ich einfach viel zu wenig mit.

  6. Corina 23/06/2011 um 21:53

    Na, 60 Seiten die Stunde ist jetzt aber auch nicht wirklich langsam. Hm. Und die Bücher wurden ja vorm Einlesen noch bearbeitet…

  7. Pingback: Verflixt, wird das ein Bücherherbst… « Lebenzeichnendes

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